Bürgerinitiative „Steinhof als Gemeingut erhalten und gestalten“

„Für die Ärmsten das Schönste“, dieses Motto des Erbauers,
sollte auch weiterhin Maßstab für die Zukunft des
Otto Wagner Spitals am Steinhof sein.

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ExpertInnengr.

veröffentlicht am 9. Juli 2013 | von Wolfgang Veit

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Steinhof – Bericht über den 1. Workshop „Entwicklungsplanung“

Entwicklungsplanung – Aus der Aufgabenbeschreibung

Im Interesse der Erhaltung, Sanierung und Neunutzung des Gesamtareals des Otto-Wagner-Spitals erscheint eine Neunutzung des Ostareals sinnvoll und zielführend. Es sollen dabei sowohl die Freiraumgestaltung als auch die Möglichkeit einer zusätzlichen baulichen Wohnnutzung in Betracht gezogen und entwerferisch bearbeitet werden. Ziel ist es, Standorte, Ausmaße, Gestalt und Materialität einer zukünftigen Bebauung festzulegen und entsprechende Setzungen von Gebäuden und Grünelementen vorzunehmen, die schließlich als weiterführende Entwicklung in Teamarbeit von einem generelleren städtebaulichen Konzept zu klar bestimmten Gebäudetypologien führen soll. Als approximative Zielgröße werden 200 Wohnungen in Neubauten angedacht, ungefähr 100 Wohnungen sollen in den bestehenden Wirtschaftsgebäuden untergebracht werden.

Zur Erinnerung ein Auszug aus unserer Stellunganhme zu dieser Auftragserteilung

Zu befürchtende Schnellschüsse könnten allerdings die Chancen des von allen angestrebten „Großen Ganzen“ massiv mindern.

In der Aufgabenbeschreibung wird betont: „ Die Vision des Gesamtareals ist die entscheidende Größenordnung für die Entwicklung des Ostareals, das heißt, dass erstens die Entwicklung des Ostareals immer im Zusammenhang möglicher zukünftiger Nutzungen des Gesamtareals gesehen werden muss…“ Auf Seite 4 wird explizit auf den Charakter der Nutzungsreseve des Ostens verwiesen: „Daher erscheint es auch sinnvoll, für die zukünftige Entwicklung des Otto-Wagner-Spitals Nutzungsreserven im Ostareal freizuspielen, um damit das Gesamtareal funktional konsolidieren…zu können.“ Die offenbare Vorgabe von 200 Neubauwohnungen auf diesen Nutzungsreserven scheint mit oben zitierten Grundsätzen inkompatibel.

Weiters in der Aufgabenbeschreibung

„Die Wirtschaftsgebäude sind zwar teilweise in Betrieb, aber insgesamt unternutzt“:

In der Ost-West-Achse der Wirtschaftsgebäude befinden sich unverzichtbare, gut funktionierende therapeutische und soziale Einrichtungen sowie wichtige Werkstätten. So lange die finanziellen Mittel für eine qualitätserhaltende Verlagerung nicht gewährleistet sind, sollte eine Absiedlung nicht zulässig sein. Auch hier ist die Absicht des Umbaus zu 100 Wohnungen den oben genannten Grundsätzen hintanzustellen.

Seriöse Nachnutzungsüberlegungen sind auf eben jene „Nutzungsreserven“ angewiesen, denen nicht bereits im Vorfeld Nutzungen aufgezwungen werden dürfen. Eine Erhebung optimaler Formen, Kubaturen, Materialen für notwendige und in Neubauten unterzubringende Einrichtungen ist hingegen sinnvoll, notwendig und war Auftrag an das Expertengremium.

Dem kunsthistorischen und ökologischen Aspekt ist bei allen Überlegungen Rechnung zu tragen, auch das war und ist Auftrag.

Für die außer Streit gestellten Freiflächen des Gesamtareals, in denen in Zukunft keine Bautätigkeit erfolgen darf ( Punkt 5 der Experten-Stellungnahme ) sollte eine Rückwidmung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes auf den Bestand unverzüglich in Angriff genommen werden, um die Empfehlungen der ExpertInnen zu rechtsverbindlichen Fakten zu machen.

Die 6 geladenen ArchtektInnenteams haben erste Vorstellungen präsentiert

Die 6 Teams sind in sehr unterschiedliche Richtungen gestartet. Fast alle haben sich bemüht die Vorgabe von 200 Wohnungen nach den jeweiligen Vorstellungen irgendwie „verträglich“ in dem Gebiet unterzubringen.

Lediglich ein Team hat eine Beschäftigung mit dem bisherigen Plaungsverfahren und seinen von allen Seiten akzeptierten Einschränkungen vermissen lassen bzw. diese bewusst ignoriert. Dieses Team hat versucht das auf Wien zukommende Wohnungsdefizit in möglichst großem Ausmaß im Gesamtareal des OWS (also auch im Spitalsbereich) zu beheben. Dabei wurden Denkmalschutz ebenso ignoriert, wie die Ergebnisse des Mediationsverfahrens und des ExpertInnengutachtens.

Dass ein Rückfall hinter all die bisher ereichten Standpunkte undenkbar ist, wurde von der Verfahrensleitung klargestellt.

Ebenso wurde klargestellt, dass ein anderer Entwurf, der unter „Schonung“ des Restareals einen Hochhausbau für 150 Wohnungen vorsah, undenkbar ist.

Wiederholt wurde von Mitgliedern der Steuerungsgruppe auf zu beachtende Grundsätze verwiesen

  • Die Entwürfe sollen nicht nur die Wohnnutzung zulassen.
  • Es sollen verträgliche bauliche und städtebauliche Strukturen gefunden werden.
  • Solitäre Statements sind nicht gefragt.
  • Vor allem die Freiräume mit ihren Sichtbezügen, Sonneneinstrahlung etc. sollen berücksichtigt werden.
  • Nicht die Gebäude sondern die Freiräume dazwischen sollen im Mittelpunkt der Bemühungen stehen.
  • Neue Öffnungen der Umfassungsmauer müssen vermieden werden und vorhandene Einfahrten (auch die der Vamed) müssen genutzt werden

Ergänzung der BI: Den Anrainern wurde zugesagt, dass die Zufahrt zu allenfalls zu errichtenden Neubauten nicht über die Reizenpfenniggasse erfolgen wird.

  • Die Entwürfe müssen trotz ihrer Verschiedenartigkeit auf einander und auf die Umgebung abgestimmt werden.
  • Es ist Kleinteiligkeit und Maßstäblichkeit gefordert. („In dem Park stehen Bäume, Büsche und auch Häuser.“)
  • Der landschaftliche Zusammenhang mit den Steinhofgründen (Übergang zum Obstgarten) muss gewahrt werden.
  • Bei unterirdischen Bauten ist zu bedenken ist, dass eine Fläche, wenn eine Tiefgarage darunter ist, nicht mehr die selbe Fläche/Landschaft ist.

Ergänzung der BI: Auch die Landschaft, der Park zwischen den Gebäuden, steht unter Schutz!

Die Interventionen von Frau Dr. Johanna Kraft von der BI und und Frau Prof. Plakolm von der TU-Wien beim Bundesdenkmalamt waren erfolgreich: Der Leiter des Bundesdenkmalamtes ersucht, die Fleischerei, obwohl sie aus dem Denkmalschutz entlassen ist, im Bestand zu berücksichtigen und in den Entwürfen zu sichern.

Am 29 Juli 2013 soll ein weiterer Workshop, zu dem auch wir wieder als Beobachter eingeladen sind, stattfinden.

Die Architektenteams werden dazwischen nicht nur einzeln arbeiten sondern auch gemeinsame Sitzungen abhalten. Wir haben ihnen angeboten für Informationen über die bisherige Planungsgeschichte und die politische Auseinandersetzung zur Verfügung zu stehen.


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