Bürgerinitiative „Steinhof als Gemeingut erhalten“

„Für die Ärmsten das Schönste“, dieses Motto des Erbauers,
sollte auch weiterhin Maßstab für die Zukunft des
Otto Wagner Spitals am Steinhof sein.

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veröffentlicht am 1. April 2015 | von Bürgerinitiative Steinhof

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Ein Plan für Wiens Weiße Stadt – Falter Artikel 1.4.15

Christine Muchsel schaut, anders als in Österreich üblich, nicht gerne weg. Seit 37 Jahren lautet das Credo der 67-Jährigen: Ändere, was dich stört. Schon 1978, dem Jahr der Volksabstimmung über Zwentendorf, verteilte Muchsel Flugblätter gegen den Reaktor in Niederösterreich. Auf der Straße hielt sie Passanten auf, erzählte ihnen von den Gefahren der Kernkraft . „So habe ich gelernt, dass kleine Würmer etwas erreichen können“, sagt Muchsel.

Seit fünf Jahren setzt sie sich für das OttoWagner-Spital im 14. Bezirk ein, für dessen Erhalt mittlerweile 70.000 Menschen eintreten. Die gemeindeeigene Wohnbaugenossenschaft Gesiba will hier Wohnungen errichten. Mitten im Jugendstilparadies. Muchsel kämpft für Ökologie und Denkmalschutz und gegen Investoreninter essen unter dem Deckmantel der Stadterweiterung. Sie selbst ist keine Anrainerin. Trotzdem kennt sie hier jede Mauer und jedes vergammelte Fenster. „Das ist wirklich kein Stadtentwicklungsgebiet“, weiß Muchsel. Schließlich würde auch niemand auf die Idee kommen, in Schönbrunn noch mehr Wohnungen zu bauen.
Vor 100 Jahren, zum Zeitpunkt ihrer Errichtung, war die „Weiße Stadt“ von Architekt Otto Wagner mit 2000 Betten die größte Nervenheilanstalt der Welt. Die Lage am Rande des Wienerwalds entsprach dem naturverbundenen Zeitgeist: Auf der 70 Hektar großen Fläche wechseln sich denkmalgeschützte Pavillons mit großzügigen Grünfl ächen ab. Über der Anlage, in der sich Jogger wie Hundebesitzer wohlfühlen, thront die Kirche mit der grün-goldenen Kuppel.
Als der Fotograf Christine Muchsel vor genau dieser ablichten will, winkt sie ab. Wienschmücke sich immer nur mit der Kirche, fi ndet sie. Dabei wäre das Spital doch ein mindestens ebenso bedeutender Schatz.

Ein Schatz, der in fünf Jahren leersteht und um den sich Stadt, Investoren und Christine Muchsel seit langer Zeit streiten. 2006 beschloss das Rathaus eine Umwidmung des Areals in Bauland. Zwei Jahre später kaufte die Wohnbaugenossenschaft Gesiba die Flächen, um im Osten Neubauten mit über 600 Wohnungen zu errichten. Im Herbst 2011 setzte der Wiener Bürgermeister diesem Vorhaben auf Druck diverser Bürgerinitiativen und Boulevardmedien ein Ende. Daraufh in sollte eine Mediation die Fronten klären.

Das Ende dieser Vermittlung war der Anfang eines Gremiums. Experten durften beurteilen, ob das Jugendstilensemble auch wirklich schützenswert sei. Ja, lautete das Ergebnis. Nur im Osten dürfe – unter der Prämisse der Nutzungsoff enheit – gebaut werden. Wo genau, sollte ein Architektenteam bis Ende 2013 prüfen.

Auch Muchsel war Teil dieses „Testplanungsverfahrens“. Doch anstatt etwaige Reservebaufl ächen und deren Potenziale für Kultur- und Therapiezwecke zu eruieren, diskutierten die Architekten wieder über Wohnungen. Muchsel trat aus. Eineinhalb Jahre ist das her, mittlerweile ist das Verfahren abgeschlossen, die Stadt hat das Projekt stark eingedampft , das Areal bleibt in öffentlicher Hand. Christine Muchsel könnte zufrieden sein.

„Wäre da nicht diese Lappalie“, sagt sie  und steht dabei auf einer der zahlreichen grünen Brachen des besagten Bauareals. Gleich neben ihr: das Pathologie-Gebäude, in dem vor kurzem noch Gehirne von Spiegelgrundkindern lagerten. „Ich bin mir sicher, dass noch niemand dieses Wäldchen hier gesehen hat“, sagt Muchsel. Sie meint die Bäume auf den Grünfl ächen zwischen den Pavillons – allesamt von Baumpaten beschützt. Bald sollen sie aber gerodet werden. Ende 2015 wird die Gesiba genau hier zehn Häuser bauen, vier Stockwerke hoch; mit Platz für 140 Wohnungen.

Für Muchsel ein klarer Fall politischer Willkür. Denn für ein paar Bewohner müssten hier hundert Bäume sterben. Viel besser fände sie es, wenn die Stadt daran interessiert gewesen wäre, ein nachhaltiges Konzept zu entwickeln. „Das wäre die Aufgabe des Testplanungsverfahrens gewesen“, sagt Muchsel. Was mit dem Areal passieren wird, wenn das Krankenhaus wegen des Spitalskonzepts 2030 abgewandert ist, weiß noch immer niemand. Die Wiener Stadtentwicklung (WSE) soll es bis spätestens Ende 2016 herausfinden.

Gemeinsam mit Historikern, Medizinern und Ökologen hat Muchsel Ideen für die Zukunft entwickelt. „Wien hat einen dringenden Bedarf an sozialen wie therapeutischen Einrichtungen“, sagt sie. Pfl ege, Hospiz etwa. Wo abdecken, wenn nicht hier? In Sachen Finanzierung plädiert Muchsel für eine kommunale Stift ung. Das erspart Verwaltungskosten. Muchsel geht es um die Gesellschaft , um das Gemeinschaft liche. „Denn die wirklich schlechten Zeiten kommen ja erst“, erklärt sie. Wer Muchsel kennt, der weiß, dass sie diese sicher nicht untätig an sich vorbeiziehen lässt. F

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