Bürgerinitiative „Steinhof als Gemeingut erhalten“

„Für die Ärmsten das Schönste“, dieses Motto des Erbauers,
sollte auch weiterhin Maßstab für die Zukunft des
Otto Wagner Spitals am Steinhof sein.

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Mediation Plan Steinhof

veröffentlicht am 17. Juni 2015 | von Wolfgang Veit

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Korrespondenz mit Radio Wien

 Korrespondenz mit Radio Wien:

Liebe Leute,

auch heute um 11 Uhr brachte Radio Wien eine Meldung über das OWS-Areal:
Viele Menschen seien beunruhigt, weil rote Markierungen auf Bäumen angebracht wurden, man befürchtet Schlägerungen. Die Stadt Wien meint dazu, dass seitens der Gesiba zwecks Vermessung Markierungen erfolgten, dass nicht alle Bäume geschlägert würden, dass noch heuer mit den Bauarbeiten für Wohnungen begonnen würde.

Ich habe daraufhin bei Radio Wien angerufen, um mit dem verantwortlichen Redakteur (in?) zu sprechen. Das geht aber bei R.W. nicht.
Ich durfte ein Mail schreiben, unter der Zusage, dass es umgehend weitergeleitet würde.
Hier meine Stellungnahme:

From: Christine Muchsel
Sent: Wednesday, June 17, 2015 12:22 PM
To: radiowien@orf.at
Subject: OWS/Steinhof – Nachrichten

Sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf Ihre Nachrichtenmeldungen die bevorstehende Verbauung des Otto Wagner Areals betreffend möchte ich, nach telefonischer Absprache mit Frau Mayerhofer, wie folgt Stellung nehmen:
Die Stadt Wien plant, wie von Ihnen berichtet, demnächst mit dem Bau der ersten vier von zehn Wohnblöcken im Wirtschaftsareal des OWS zu beginnen.
Sie ist sich offenbar nach wie vor weder des kunsthistorischen, des ökologischen, noch des gesellschaftlichen Wertes der Anlage bewusst.
Ebenso fehlt ihr das Bewusstsein für den ungeheuren Schaden am Ensemble, den sie durch die Verbauung anrichten würde, und die langfristigen Entwicklungschancen, die sie dadurch dem OWS nähme.
Die Stadt Wien ignoriert dabei mehrfach Ergebnisse aus Mediation, Expertengremium sowie der Entwicklungsplanung, obwohl sie in diversen Medien das Gegenteil behauptet.

So wurde in der Mediationsvereinbarung festgeschrieben, dass die Frage nach Bebaubarkeit nach kunsthistorischen und ökologischen Aspekten zu erfolgen hat.
Beide Expertisen fehlen, trotz Urgenz einschlägiger Fachleute, bis heute.

Das Expertengremium stellt seinen 9 Empfehlungen übergeordnet Punkt 1: „Der Osten darf nur im funktionalen Zusammenhang mit der Gesamtanlage gesehen werden.“
Was bedeutet, dass ohne Vorliegen eines vordringlich geforderten Gesamt-Nutzungskonzeptes keine fixe Nutzung für Teilbereiche erfolgen darf. Das heißt: Ohne Gesamtkonzept kein Wohnbau zur privaten Nutzung im Wirtschaftsareal.

Die Entwicklungsplanung hatte die Aufgabe, potentielle Baulandreserven im Osten zu eruieren, um, nach Unterschutzstellung aller Grünbereiche im Hauptteil und Sanatoriumsbereich, über genügend Flexibilität zur langfristigen
Bespielung der Gesamtanlage zu verfügen. Sollten Gebäude vor Vorliegen eines Nutzungskonzeptes errichtet werden, so haben diese „nutzungsflexibel“ zu sein, das heißt, jederzeit neuen Nutzungsanforderungen zur Verfügung zu stehen.
Deshalb wurden Sonderwohnformen wie betreutes Wohnen dafür vorgeschlagen, in Gebäuden, die bedarfsorientiert jederzeit anderen Nutzungen zugeführt werden können.
Privates Wohnen unterbindet für Jahrzehnte die eingeforderte Flexibilität und verbraucht dabei die letzte Baulandreserven der Gesamtanlage.

Weiters war das Wirtschaftsareal mit seiner Gärtnerei, dem Beschäftigungshaus und seinen Werkstätten, heute auch der Reit-Therapie, immer schon Therapie-Areal.
Da der Bedarf an Therapie- und Rehabilitationsangeboten enorm im Steigen begriffen ist und entsprechende Einrichtungen am OWS ideal untergebracht werden können, ist ein Verdrängen des existierenden Therpie-Areals durch privates Wohnen kontraproduktiv und reduziert massiv die langfristige Nutzbarkeit der Gesamtanlage.

Wir fordern die Stadt Wien auf, von ihren Bebauungsabsichten abzurücken und wieder in den konstruktiven Dialog mit allen in der Sache engagierten ExpertInnen und BürgerInnen zu treten.
So kann das seit langem ausständige Gesamtkonzept entwickelt, die seit langem ausständige Trägerorganisation ins Leben gerufen und damit unserer Stadt eine einmalige Chance gewahrt werden.

Es wäre der Sache und der Objektivität der Berichterstattung sehr dienlich, könnten wir zu diesen aktuellen Meldungen öffentlich Stellung nehmen.

Mit besten Grüßen

Christine Muchsel,
Mitbegründerin der neuen Bürgerbewegung 2010/11, Begründerin und Sprecherin der Bürgerinitiative, die 1981 die heutigen Steinhofgründe vor Verbauung retten konnte.
www.steinhof-gestalten.at, Facebook-Gruppe „Steinhof als Gemeingut erhalten“, Verein „Steinhof als Gemeingut erhalten und gestalten“.


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