Bürgerinitiative „Steinhof als Gemeingut erhalten und gestalten“

„Für die Ärmsten das Schönste“, dieses Motto des Erbauers,
sollte auch weiterhin Maßstab für die Zukunft des
Otto Wagner Spitals am Steinhof sein.

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Alternative

veröffentlicht am 24. September 2013 | von Bürgerinitiative Steinhof

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Nachnutzungsideen

Im Zuge der Mediation wurden von der Bürgerinitiative im Konsens mit Vertretern der SPÖ und der Grünen folgende Ideen für eine Nachnutzung nach der Absiedlung des Spitalsbetriebes 2020 ausgearbeitet:

Ideensammlung für Nutzungen am OWA

(Version vom 7. 8. 2012)

Diskussionsgrundlage

Wir, die Medianden, sind aufgefordert, zunächst für den Osten der Otto Wagner Anlage am Steinhof, gemeint sind die Bauplätze A 1 bis A 9, ausgenommen das sogenannte Wirtschaftsareal, also das Vamed-Gelände, sowie die Bauplätze der Fernwärme Wien, der ehemaligen Wäscherei, der Gärtnerei und des Pferdestalles der Hippotherapie, Vorschläge für eine künftige Nutzung zu machen. Diese Forderung scheint uns – entgegen dem angekündigten „großen Wurf“ – als Teil eines Flickwerks, das einer vernünftigen Lösung für das gesamte Areal nicht dienlich ist. Wir werden dennoch versuchen, auch mit dieser Vorgabe eine durchgehende Linie zu verfolgen.

Folgende Diskussionsgrundlage beruht auf verschiedenen Quellen, unter anderem aus Gesprächen innerhalb der Plattform sowie auf einem Papier, das einige Mitarbeiter des OWS Anfang 2012 zusammengestellt haben. Es kann sich dabei nur um Stückwerk handeln, das allerdings auch seinen Teil zum angekündigten „großen Wurf“ bezüglich des Gesamtareals, zur sogenannten „Jahrhundertchance“ beitragen möchte.

Arbeitstherapie

Der Nordosten der Anlage, nördlich des Vamed Bauplatzes, ist derzeit von großem Wert für die bestehenden Aktivitäten der Arbeits- und Beschäftigungstherapie.

Da es in Wien wohl kaum einen geeigneteren und besser ausgestatteten Platz dafür gibt, sollte nicht leichtfertig auf diese Einrichtungen verzichtet werden.

Da schon, unmittelbar vor den konkreten Verkaufs- und Verbauungsideen, intern daran gedacht worden war, die Arbeitstherapie im Osten zu konzentrieren, scheint dieser Vorschlag weder uninteressant noch realitätsfern.

Gerade in Krisenzeiten und Zeiten steigender Arbeitslosigkeit können die vorhandenen Strukturen idealer weise für zusätzliche arbeitsmarkt-politische Maßnahmen, in Form zum Beispiel von sozialökonomischen Betrieben, genutzt werden. Arbeitslose aus dem Bau- und Baunebengewerbe könnten hier, eventuell gekoppelt mit der Wiener Ausbildungsgarantie für Jugendliche ohne Lehrstelle, in sinnvolle Projekte eingebunden werden. So könnte z. B. auch die Innensanierung der sukzessive leer werdenden Pavillons über entsprechende Projekte kostengünstig bewerkstelligt werden. Schon der heutige Bedarf ist höher als die angebotenen Möglichkeiten. Mögliche Kooperationspartner: AMS, Jugend am Werk, Volkshilfe, Caritas und andere.

Steinhof – Museum in der Pathologie

Das „Problemgebäude“ Pathologie einschließlich der Memento Mori Kapelle könnte idealer weise künftig als Ausstellungsgebäude fungieren – in eine Ebene könnte die bereits bestehende Euthanasie Ausstellung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes übersiedeln. Auf der zweiten Ebene wäre eine Ausstellung über die spannende und gut dokumentierte Geschichte der Anstalt denkbar. Dies würde der belastenden Vergangenheit der Räumlichkeiten gerecht und dem Gedanken des „Memento“ entsprechen.

Jugendstilmuseum

Der Wiener Jugendstil wird überall auf der Welt sehr geschätzt. Leider hat er hierorts nicht die gleiche Reputation. Daher haben sich schon vor Jahren einige Architekten und Kunsthistoriker für die Errichtung eines Jugendstilmuseums eingesetzt, eine ebenso sinnvolle Vorzeigeeinrichtung wie sie in Brüssel, Gent, London, Berlin oder Lissabon usw. bereits seit langem gibt.

Jugendstilsammlungen sind in Wien über viele Institutionen, wie Kunsthochschulen, das Wien Museum oder Privatfirmen wie Backhausen, Thonet und Lobmeyr verstreut, die zweckmäßig etwa auch in einer Stiftung zusammengefasst werden könnten.

Der Zeitpunkt scheint günstig, denn Medienberichten war kürzlich zu entnehmen, dass gerade die Ausweitung des Wien Museums am Karlsplatz erwogen wird, entweder durch einen Anbau oder eine Neuerrichtung (Kulturstadtrat Mailath-Pokorny im Standard vom 26.-28. Mai 2012). Der ins Auge gefasste Standort beim Hauptbahnhof tut weh. Einige der per 2020 leer werdenden Spitalspavillons Otto Wagners am Steinhof wären sicherlich eine bessere Lösung. Denkbar wäre auch, die alte Wäscherei, die derzeit als Tischlerei genutzt wird, falls sie ab 2020 tatsächlich nicht mehr benötigt wird, als Ausstellungshalle für Jugendstil zu verwenden.

Nicht zu vergessen, dass zur Finanzierung auch ein Museums-Shop herangezogen werden könnte. Ein Jugendstilmuseum könnte schnell zum Tourismus-Magneten werden, der sich teilweise finanziell selbst trägt.

Für die Bewirtung von Gästen könnte auch die erst kürzlich für einige Millionen Euro renovierte Küche in einem Restaurant-Betrieb sorgen; eine weitere Möglichkeit, zusätzliche Finanzierung zu lukrieren.

Im Zusammenhang mit diesem Vorschlag wäre auch sehr wichtig, dass die Kirche mehr als nur wenige Stunden pro Woche Besuchern zur Besichtigung offen steht. Schönbrunn jubelt gerade über sensationell steigende Besucherzahlen. Eine weltweit einzigartige Anlage wie Otto Wagners „Weiße Stadt“ könnte bald ähnliche Erfolge aufweisen. Noch dazu, wenn sie , wie die Vorbilder in Italien, von Leben erfüllt sind, wenn hier Gesunde und Kranke, Einheimische wie Touristen, Kunst, Kultur, Natur und das respektvolle Miteinander genießen können.

Volksschule

Was der 14.Bezirk dringend braucht, ist eine zusätzliche öffentliche Volksschule. Angedacht dafür ist ja seit einiger Zeit der leerstehende Pavillon 8.

Da künftig wohl vorwiegend ganztägige Schulformen existieren werden, könnte der vorhandenen Sportplatz und das große Angebot an ensemblegestaltenden Grünflächen im SO ideal dafür genutzt werden.

Ein Problem stellt lediglich der fehlende Turnsaal dar. Wenn die Ansprüche diesbezüglich für eine Volksschule nicht allzu hoch angesetzt werden, könnte jedoch das Erdgeschoß eines Pavillons dafür adaptiert werden. Sollte dies aus bürokratischen Gründen nicht umsetzbar sein, bieten sich die Flächen des Pavillon 35 an.

Hier existiert eine nicht historische Verbauung.

Ein Turnsaal könnte, mit z.B. mit begrüntem Dach, einen im denkmalschützerischen Sinne nur wenig störenden Effekt haben.

Für den Personentransport auf dem Gelände bietet sich das bestehende interne Bussystem an. Damit könnte der Osten zur Fußgängerzone werden, mit den üblichen Genehmigungen für öffentliche Busse und Lieferverkehr.

Medizinnahe Einrichtungen

In Wien besteht derzeit ein hoher Bedarf an sozialen und medizinnahen Einrichtungen. Die bestehenden Pavillons könnten nach nur geringfügigen Adaptierungen diesen Bedarf decken helfen.

Einerseits besteht ein steigender Bedarf an Senioren-Betreuungsstätten (Geriatrie, Pensionistenheime, Pflegeeinrichtungen, Sterbehospize), gleichzeitig fehlen viele Angebot für Patienten nach der Intensivbetreuung in den Schwerpunktspitälern.

So mangelt es komplett an Plätzen für schwierige Demente, an Kinder- und Jugendrehabilitation, an diversen betreuten Wohnformen sowohl als Übergangsangebot nach dem Spitalsaufenthalt, wie auch zur Langzeitnutzung. Z. B. für junge Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die jetzt oft nur in Altenpflegeheimen untergebracht werden können. Seitens der MA 15 sind, einem Presseartikel zufolge, derzeit drei neue Therapiezentren für Jungen und Mädchen geplant. Warum nicht eines davon in bestehenden Gebäuden am Steinhof?

Innerhalb der GAMED könnte auch eine Einrichtung für Psychosomatik zweckmäßig sein.

Die Liste an fehlenden oder zu gering vorhandenen sozialen und medizinnahen Einrichtungen ist lang. Das Otto Wagner Areal ist groß.

Vorausschauende, sozialpolitisch verantwortlich agierende Politik sollte die hier offen liegenden Chancen erkennen und nutzen.

Heilkunst Areal

Eine multi-disziplinäre Projektgruppe setzt sich seit vielen Monaten mit der Planung eines Zentrums für alternative Heil- Gesundheitserhaltungs- und Präventionsmethoden auseinander und sucht Raum/Räume, in dem die engagierten ÄrztInnen, TherapeutInnen und andere im komplementärmedizinischen Sinn tätigen Mitarbeiter der Gruppe ihre Arbeit sowohl ambulant als eventuell auch stationär (in einem komplementärmedizinischen Ärztezetrum) anbieten können. Bisher gibt es in keiner bestehenden Einrichtung derartige Behandlungs- oder Beratungsstellen. Auch ein Forschungsinstitut für den Bereich nachhaltiger Gesundheit ist angedacht und würde mit der Campus Idee am OWA korrespondieren, ebenso wie mit der am OWA bereits ansässigen GAMED (Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin).

Die Projektgruppe sieht sich auch in der Lage, einige der ursprünglichen Therapieformen des Otto Wagner Spitals wieder aufleben zu lassen: Neben Arbeits- und Kunsttherapie auch gärtnerische Arbeit zur Selbstversorgung und Einbeziehung der Jugendstilarchitektur mit ihren menschlichen Maßen in den Heilungsprozess.

Die Projektarbeit hat folgende Inhalte zum Thema: Gesundheitsversorgung von Prävention Behandlung bis Rehabilitation; künstlerische Selbsterfahrung; ressourcenorientierte kreative Weiterentwicklung, Musik, Humor und künstlerische Betätigung als Entwicklungschance erlebbar machen, Aktivierung von Selbstheilungskräften und Eigenaktivität der PatientInnen im Sinne der Salutogenese, gute Schul- und Komplementärmedizin gemeinsam auf wissenschaftlicher Basis, Evaluierung der Kostensenkungsmöglichkeiten im Gesundheitssystem durch komplementär-medizinische Methoden, Zukunftsperspektive für interessierte JungmedizinerInnen und Menschen in therapeutischen Berufen im obigen Sinn.

Dieses Projekt deckt sich mit vielen Aspekten der Gesundheitsziele des Hauptverbandes der Sozialversicherungen und des Masterplans für Gesundheit des Gesundheitsministeriums und daher ist auch eine intensive Zusammenarbeit mit diesen Institutionen geplant.

Ausbildungsstätte für Kunsttherapeuten

Der bestehenden Akademie für Ganzheitsmedizin könnte durchaus auch eine Kunsttherapieschule der Stadt Wien (Pädagogische Akademie?) angeschlossen werden. Auch die Sigmund Freud Privatuniversität könnte als Träger einer solchen Ausbildungsstätte firmieren.

Als Ergänzung wäre auch ein offener Kunstpavillon sinnvoll, in dem Betreute und Gäste kreativ arbeiten, und in dem Ausstellungen der dort geschaffenen Werke veranstaltet werden können. Dies böte zusätzlich die Möglichkeit eines Shops, in dem Bilder, Kunstbände, Kunstkarten, Kalender mit Reprints ausgesuchter Werke, aber natürlich auch in den Werkstätten hergestellte Spielzeuge, Stricksachen usw. verkauft werden könnten.

Campus für Medizinische Informatik, Pflegeberufe und postgraduale Weiterbildung

Die vorhandene Infrastruktur bietet sich hervorragend für einen universitären Campus für medizinnahe Ausbildung und Forschung, postgraduale Weiterbildung sowie die Unterbringung der Ausbildungsstätte für Pflegeberufe an.

Darüber hinaus wäre in den ab 2020 leer stehenden Pavillons sicherlich auch ausreichend Platz für ein Studentenwohnheim bzw. Wohngemeinschaften für Studierende. Für die entsprechende Verkehrserschließung stehen derzeit bereits drei Buslinien zur Verfügung (48 a, 47 a und 46 B), die in einer Schleife auch ins Areal verlängerbar wären.

Für die, eben auch im Sinne der Nutzung des Ostens der OWA, nicht unwesentlichen Überlegungen der Gesamtnutzung, stehen viele Fragen noch offen.

  • Was plant die Stadt Wien, bzw. der ihr untergeordnete KAV, für die ab 2020 geräumten, teilweise erst vor kurzem kostspielig modernisierten Spitalsgebäude im Westen?
  • Sollte tatsächlich ein Verkauf die einzige angedachte Option sein: Was kosten diese Gebäude?
  • Für den im Idealfall umzusetzenden Gedanken einer zweckgebundenen Stiftung sind ebenfalls generell Kostenfragen zu klären.

F. d. R.: Christine Muchsel, Irmi Novak, Helmut Schauer, Wolfgang Veit

 


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One Response to Nachnutzungsideen

  1. Lötsch says:

    Ausgezeichneter thematischer Rahmen , innerhalb dessen mit möglichen
    Nutzern zu verhandeln wäre . (z.B. Privatkliniken und Stiftungen )Die Stadtverwaltung wäre durch einschlägige Mitarbeiter , die Kenntnisse mit
    Denk-und GesprächsSpielräumen verbinden müßten,in diesen Prozess
    maßgeblich einzubinden.Selbstverständlich darf es sich dabei nicht nur
    um ein Brainstorming schwärmerischer Bittsteller an das Areal handeln ,
    denn wünschen kann man sich viel, sondern um die Darstellung echter
    Verpflichtungen der Stadt im sozialen wie medizinischen Kontext und
    Kostenvergleiche mit neuen Bauprojekten an anderen Stellen.Die
    Finanzierung muss stets mitgedacht werden , daher die Wichtigkeit von
    Partnern außerkommunaler Institutionen und Geldquellen! MfG ,B.L.

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