Bürgerinitiative „Steinhof als Gemeingut erhalten“

„Für die Ärmsten das Schönste“, dieses Motto des Erbauers,
sollte auch weiterhin Maßstab für die Zukunft des
Otto Wagner Spitals am Steinhof sein.

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Bäume Bäume abgeschnitten Steinhof

veröffentlicht am 15. Februar 2017 | von Bürgerinitiative Steinhof

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Stellungnahme von Prof. Bernd Lötsch: 14. Feb. 2017

Die bisher größte Provokation Vassilakous gegen engagierte Bürger – nach Jahren des Hinhaltens nun erst recht: Rodung des Föhrenwäldchens zwischen historischer Pthologie und der grausamen Brutalarchitektur des sog. Rehab Zentrums – Signal gegen die niveauvolle Bürgerbewegung ( die im Unterschied zu üblichen Initiativen nie Eigeninteressen verfolgte sondern die Erhaltung dieses sozial-
Und kunstgeschichtlich einmaligen Spitalsgeländes für weitere soziale,medizinische und kulturelle Ziele betreibt.) Deshalb verlangte das Mediationsergebnis eine Klärung der Endnutzung, bevor mit zweckfremder Gesiba Wohnbebauung begonnen wird. Damit ist die Glaubwürdigkeit Vassilakous einmal mehr angeschlagen – sie erlaubt Bauspekulation auf öffentlichem Wohlfahrtsgrund, läßt einen Grünbestand innerhalb weniger Stunden maschinell niedermachen,der für sein Heranwachsen mindestens zwanzig Legislaturperioden brauchte . . .
Sosehr wir Vassilakous steifnackiges Bemühen gegen die Erstickung des Stadtkerns im Terror der Fahrmaschinen achten, so schädlich, ja katastrophal sind ihre städtebaulichen Entscheidungen – von ihren Unterlassungen bei schrittweiser Zerstörung der wertvollen Ensembles in den Vorzeigeorten Grinzing und Neustift durch internationale Spekulanten bis zum absichtlichenUnverständnis gegenüber Ensembleschutz in Welterbezonen Wiens.
Selbst „Grüne der ersten Stunde“ , wie der Verfasser und etliche Mitstreiter, grün durchgefärbt bis auf die Knochen, Jahrzehnte vor jeder Grünpartei, halten ihre Inkompetenz und undemokratische Beratungsresistenz für nicht mehr tragbar.
Zum Konflikt um das Otto Wagner Jugendstil Ensemble und dessen Grünraum:
Die Rathaus-Administration schien seit der demokratischen Widerstandswelle gegen die Verbauung der Otto-Wagner-Spitalsgründe wie gelähmt. 3 Jahre ohne faßbares Ergebnis, nicht einmal die zugesagten Flächenumwidmungen zum bedingungslosen Schutz des wertvollen baukulturellen,
ökologischen und sozialen Erbes der Stadt sind bislang im Gemeinderat umgesetzt d.h. noch immer nicht durch Beschluß abgesichert.Die angeblich damit beauftragte Entwicklungseinheit
der Stadt Wien hat bis heute nichts vorgelegt.
Die Rathaus-Politik habe jetzt andere Sorgen als ein paar halbvergessene Zusagen aus der Steinhofgründe-Mediation.Ja ,es war ein Erfolg der Bürger,daß diese herrliche Natur/Kulturverschränkung in bester Grünlage nun doch nicht an die Bauspekulation verkauft wurde. Mediation und Testplanung haben im östlichen Wirtschaftsareal zwar doch noch einige baufähige Flächen ausfindig gemacht, aber mit der ausdrücklichen Erklärung,daß man zuvor ein Weiter- oder Nach-Nutzungskonzept für das denkmalgeschützte Jugendstil-Areal erstellen müsse – dann erst wisse man, welche Art von Bebauung auf den ausgewiesenen, jetzt noch meist baumbestandenen Gründe nötig und sinnvoll sei – blieb letztlich als einzig konkretes Ergebnis im Fall Steinhof-Areal leider die Ankündigung von rd. 180 Wohnungen,egal was sonst kommt,welch spätere Funktionen damit durchkreuzt werden – bei völlig fehlenden Weiter- oder Umnutzungskonzepten für das einst unter vorbildlichen sozialen und ärztlichen Prioritäten errichtete Jugendstil-Juwel.Stattdessen weiterer Verfall einst bildschöner bauhistorischer Juwele und Schließung anerkannter medizinischer und sozialer Einrichtungen – entweder schon vollzogen oder angekündigt.
Gerade jetzt hätte die Rathausmehrheit die Chance und Pflicht,in einer demokratiepolitisch so sensiblen Frage,Handlungskompetenz zu beweisen, sind die Steinhofgründe nicht geradezu ein klassischer Prüfstein für Kommunalpolitik auf der Höhe der Zeit? Was sollte Stadtpolitiker gegen
über den Wienern mehr beschäftigen wenn nicht
o)die Erhaltung und Schaffung von Grünräumen, jenem wichtigsten „kollektiven Luxus“ jeder Stadt mit Zukunft
o) die Bedürfnisse einer immer älter werdenden Bevölkerung in ihren Ansprüchen an Gesundheits-
und Pflegeeinrichtungen
o) die Vermeidung von Frühinvalidität durch Bewältigung ihrer vorherrschenden Ursachen sozialen Psychosen wie „burn out“,Suchtverhalten,schweren Depressionen u.a. zunehmenden chronischen insbes.neuropsychiatrischenErkrankungen (Studien belegen eindrucksvoll die Effizienz psychiatrisch
– therapeutischer Rehabilitation für Menschen im Berufsprozess!) – doch ist eben dies von den Akutspitälern NICHT leistbar
o) die Erhaltung unvermehrbarer historischer Bausubstanz – eine der wichtigsten Voraussetzungen
für beglückende URBANITÄT – macht die Stadt „unverwechselbar“ und damit zur Attraktion für Besucher und zum Liebesobjekt ihrer Bürger
o) die Ermutigung einer Vielfalt kleinteilig gewerblicher Beschäftigung mit Sanierungsaufgaben die nicht großmaschinell substituierbar sind – arbeitsintensivesGebäuderecykling, energetische Bestandsverbesserung,Stadtreparatur statt der heute oft vorschnellen Abrisse würdiger Altsubstanz,typischen“Kahlschlag
– sanierungen“mit Fertigteil’Glas-Beton-Monstern“und Extremisierung überhitzter Wärmeinseln der Stadt,zu denen leider auch die immer fabriksähnlicher werdenden Großkliniken zählen.
Als Stadtökologe sehe ich es als Versagen der Gemeindepolitik,daß eine niveauvolle Bürgerinitiative in Hietzing für die Erhaltung des Hörndlwaldes kämpfen muß, gegen eine(andernorts durchaus sinnvolle) Burn out Klinik, während gleichzeitig die Bürgerinitiative für das grüne Otto Wagner Spitals-Areal eine solche Nutzung herbeisehnt,als geeignete TeilNutzung für einst unter so humanitären Zielsetzungen geschaffene Jugendstilkomplexe in einem der stadtökologisch wertvollsten Randbereiche der Metropole – im Dienste „der Gesundheit der Bevölkerung und der Schönheit des
Stadtbildes“ – „für die Ärmsten das Schönste“(so Otto Wagner) – in einer der besten Reinluftschneisen im Nordwesten der Stadt,von wodie vorherrschenden Winde aus dem grünen Umland in die Stadt wehen – bis heute besonders wichtig auch für die hervorragende Pulmologie (Lungenfachabteilung).Wo heute Gesunde sich erholen gehen,können Kranke genesen,sagen dort
Ärzte wie Seelsorger . . . (übrigens die einzige Landschaft in und um Wien,wo man wildlebende Rehe
ohne Teleobjektiv fotographieren kann).
Dabei ahnte man bei den um 1900 so liebevollen Planungen noch gar nicht , daß 100 Jahre später die größte GERIATRIEWELLE der Sozial- und Medizingeschichte aller Zeiten auf Wien zurollen würde,mit Lebenserwartungen die sich gegenüber dem 19. Jahrhundert fast verdoppelt haben.
Statt in dieser Lage dankbar und mit beiden Händen nach der einmaligen Chance dieses sozialmedizinischen Urbanerbes mit seiner unvergleichlichen Natur/Kultur Durchdringung zu greifen,entleert man Zug um Zug die Pavillions, zieht zwar unter dem Druck einer wachsenden Bürgerbewegung einige der beabsichtigten Massenwohnbaupläne zurück – will dennoch unbeirrt die international renommierte“Vorzeige-Orthopädie“ und mittelfristig auch Pulmologie und erst recht neuropsychiatrische Einrichtungen absiedeln – verweigert bislang jegliches soziale und medizinische
Folgekonzept.Das einzige das als provokanter JustamentAkt feststeht, ist die unerschütterliche Bauabsicht für zunächst 180 neue Wohneinheiten im Ostteil. Der häßliche „architektonische SuperGAU“ des RehabMonsters mit Badehalle wurde ebenfalls durchgezogen,obwohl während des Baues schon klar war, daß die Orthopädie, für die das angeblich alles sein mußte, aufgegeben werden soll.(unweit davon verfällt die einst bildschöne Jugendstil-Badehalle des Otto Wagner Spitals!)
Ungereimtheit reiht sich an Ungereimtheit,vielleicht hat gerade die Konzeptlosigkeit Methode. Hofft man, daß sich die aufgebrachte Plebs irgendwann verläuft?
Öffentlichkeit und Medien sind bekanntlich Durchlauferhitzer mit kurzem Gedächtnis! Die Wirkungen aber sind langfristig:Schon jetzt müßte man den engagierten Bürgern danken, für diese sozial und medizinisch so wertvolle Substanz eingetreten zu ein:
Bei der Suche nach Ersatzkubaturen für die Auslagerung von Abteilungen des Wilheminenspitals erwiesen sich Otto Wagner Pavillions , einst ja für Spitalszwecke erbaut, als höchst geeignet – so konnte die wichtige „Stroke Unit“ des Wilheminenspitals – also die Akute Schlaganfalls Einheit mit moderner Medizintechnik – mit erstaunlich geringem Aufwand in kurzer Zeit in einen der OWS Pavillions ausgelagert werden.
Diese Bürgerbewegung ist etwas Besonderes – sie hinterfragt, bringt selbst Konzepte, gestützt auf Ärzte und international erfahrene Spitalsökonomen, ist konstruktiv und verfolgt keine Eigeninteressen.
Warum aber jetzt unser neuer Vorstoß? Wir sind ja in keiner kommunalen Vorwahlzeit?!
Nun der aktuelle Ausgliederungsplan für dieses öffentliche Wohlfahrts- und Kulturgut in eine „Holding“, der alle bisherigen Erfolge der Bürgerbewegung auszuhebeln vermag,ist alarmierend genug –
und außerdem: in einer lebendigen Demokratie ist immer „Vorwahlzeit“ . . .


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